SZ/BZ vom 2. August 2003
Das Interview: Regisseur Dieter E. Hülle zu seiner "Sturm"-Inszenierung im Serenadenhof
In Bad Teinach haben sie sich warm gespielt, jetzt kann das Heimspiel beginnen: Gestern war die Sindelfinger Premiere von Shakespeares "Sturm" im Serenadenhof.
Über Shakespeares selten gespieltes Stück, den Serenadenhof und die Inszenierung sprach die SZ/BZ mir Regisseur Dieter E. Hülle.
Das Sindelfinger Sommertheater startete in diesem Jahr auf Burg Zavelstein in Bad Teinach. Wiedermal Sturm über dem Spielort Serenadenhof?
Dieter E. Hülle: "Ursprünglich war bei dieser Inszenierung an das Gelände von Lutz Ackermann gedacht worden. Mit seinen Malen und Riesenobjekten sicher eine einzigartige Kulisse. Doch mit dem Nein Sindelfingens zu seiner Stiftung stand auch der ehemalige Kulturamtsleiter vor dem Tor. Der Serenadenhof bietet nach wie vor eine einzigartige Atmosphäre: intim durch die natürliche Begrenzung, der enge Kontakt zur Natur und das Publikum auf drei Seiten. Das wir zuerst in Zavelstein gespielt haben, hatte rein terminliche Gründe."
Dieter E. Hülle: "Ich nicht unbedingt. Sicher ist das Stück auch bei mir ein gewisser Abschluss der so intensiven Bühnen-Beschäftigung mit Shakespeare wie in den letzten Jahren. Und ich werde mal wieder was ganz anderes machen. Aber meinen Regie-Hut nehme ich jedenfalls nicht. Man sollte nichts hineingeheimnissen. Wie in das Stück überhaupt."
In dem Stück bleibt so manches rätselhaft.
Dieter E. Hülle: "Es gibt die Theorie, das Spiel sei für eine Hochzeit geschrieben worden. Das erklärt manches. Aber sicher nicht alles: wenigstens gelegentlich gewinnt eben das Gute im Menschen auch ohne lange Erklärung. Aber warum bei Prospero? Wir haben in unserer Inszenierung die Figur, die meiner Meinung nach oft auch zu alt dargestellt wird, deshalb nicht als reinen Edelmenschen, der Gnadenerweise verteilt, angelegt. Das ist ein Mensch mit allen Grauschattierungen. Ein merkwürdiger Prozess auch in der Gesellschaft der gerade vom Schiffbruch geretteten - die macht so intrigant weiter wie zuvor."
Und wie reagiert ihre Inszenierung darauf? Viele Vorbilder gibt es ja bei dem kaum gespielten Stück nicht.
Dieter E. Hülle: "Im Wesentlichen ist die Inszenierung ja vorgegeben durch die Übersetzung von Christoph Martin Wieland. Darüber hinaus haben wir die Zauberelemente ein wenig verstärkt. Und das Liebespaar wird bei uns von einem echten Liebespaar gespielt. Wir haben es uns lange überlegt, ob sie ihre persönliche Liebe auf die Bühne stellen sollen.
Um dem sehr plötzlichen Schluss des Spiels noch eine weiter weisende Dimension zu geben, haben wir den Ariel in zwei Figuren aufgespalten. Es sind so mehr als nur neckische Luftwesen. Ein guter Geist, der gut sein muss, aber eigentlich ständig von seinem Herrn weg will und deshalb etwas seelenlos agiert. Und unheimlich Lust daran hat, Böses zu tun."